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Ihr habt mir meine Zarte ermordet!

Ein Streitgespräch zwischen Mensch und Tod

in den Winkeln einer Nacht.

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HANDLUNG

Nach dem ersten deutschen Prosatext „Ackermann aus Böhmen“ des Johannes von Saaz – einem böhmischen Rechtsanwalt.

Stellen Sie sich vor, Sie verlieren den Menschen, den Sie am meisten lieben – und in der tiefsten Nacht, im leeren Kirchenschiff, tritt die Ursache Ihres Schmerzes leibhaftig vor Sie.

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Der Gelehrte „Schreibknecht“ schickt seine Kinder nach Hause, um allein in der düsteren Stille einer Kirche zu bleiben. Gepeinigt von der brutalen Endgültigkeit des Verlustes seiner geliebten Margaretha, schleudert er dem Tod seine wildesten Verfluchungen entgegen. Und der Tod antwortet. Doch aus den Schatten tritt kein knöcherner Sensenmann, sondern Frau Tod.

Zwischen den Kirchenbänken entbrennt ein rhetorisch brillantes, schonungsloses Duell auf Leben und Tod. Es ist eine Gerichtsverhandlung der Seele, in der Ankläger und Angeklagte um den Sinn von Liebe, den Preis des Erinnerns und die Berechtigung der Sterblichkeit ringen. Die Eskalation dieses philosophischen Schlagabtauschs führt beide Kontrahenten unweigerlich an ihre Grenzen – bis ein überhelles, göttliches Licht sie zwingt, ihre eigene Bedeutungslosigkeit im Angesicht der Schöpfung zu erkennen.

 

Frau Tod ist keine stumme, grausame Mörderin. Sie ist eine scharfsinnige, wandelbare Widersacherin, die den Ackermann systematisch entwaffnet. Ihre tiefgründigen Argumentationen zwingen den Ackermann zu der Erkenntnis: 

Wer die Liebe bedingungslos bejaht, hat den Schmerz des Verlustes bereits stillschweigend akzeptiert.

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Während der Disput der beiden Protagonisten den emotionalen Kern bildet, hebt der Chor das Drama in eine universelle Dimension. Der Chor, der sich teils überraschend direkt aus dem Publikum erhebt, ist weit mehr als ein antikes Beiwerk – er ist die kritische Stimme des modernen Bewusstseins. Er seziert in detaillierten, poetischen Einschüben das größte Dilemma des Menschen: Die Erinnerung. Der Chor macht greifbar, dass nicht der Tod selbst die eigentliche Qual ist, sondern die Unfähigkeit des Menschen, zu vergessen.

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Darüber hinaus schlägt der Chor eine Brücke in unsere Gegenwart. In eindringlichen Worten entlarvt er den heutigen, technikgläubigen Menschen, der sich durch Maschinen von seiner eigenen Schöpfungsnatur entfremdet hat. Er zeigt eine Gesellschaft auf, die sich in Hybris wähnt („Wir vergaßen das 'wie' – und wollten Gott sein“), aber letztlich aus purer, atemloser Angst vor der Endlichkeit ein künstlich verlängertes Leben führt und „im Versteck“ stirbt.

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