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LUZIFERS TRÄNEN

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PERSONEN

Personen:

Amadeus – genannt Phosphoros – alternder Heavy Metal Star – Mitte bis Ende fünfzig.

Doro – seine langjährige Freundin und Managerin, um die fünfzig

Elias Lehrkopf – Mitglied der fundamentalistischen Gemeinschaft „Die Armageddon Krieger“– etwa vierzig.

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Ort: Hotelsuite

HANDLUNG

Er herrscht als Ausgeburt der Hölle auf den größten Bühnen der Welt. Doch wenn das Scheinwerferlicht erlischt, zittert der Satansgott vor Rheuma, Prostatabeschwerden und seiner eigenen Managerin. Was passiert, wenn eine kalkulierte Blasphemie plötzlich echte Todesangst auslöst und die unzerstörbare Ikone des Heavy Metal zur bemitleidenswerten Witzfigur schrumpft? Ein mörderischer, hochprozentiger und brillant zynischer Seelenstriptease im Schatten des Fegefeuers.

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Die Nacht bricht herein über einer luxuriösen Hotelsuite, die sich in Sekundenschnelle von einer Oase des Erfolgs in ein klaustrophobisches Gefängnis verwandelt. Auf dem Sofa liegt ein geladener Revolver; im Raum steht die nackte, paranoide Angst. Drunten auf der Straße lauern aufgebrachte Massen, angeführt von der radikal-fundamentalistischen Gruppierung „Die Armageddon-Krieger“. Der Grund: Ein werbewirksamer, aber fataler Tabubruch. Der alternde Heavy-Metal-Gott Amadeus – auf der Bühne besser bekannt als das dämonische Urgestein Uriel Phosphoros – hat öffentlich eine Bibel verbrannt. Nun fordert der religiöse Fanatiker Elias Lehrkopf sühnendes Blut.

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Doch anstatt sich der Bedrohung wie ein wahrer Fürst der Finsternis entgegenzustellen, torkelt Amadeus sterbensmüde und sturzbetrunken in die Suite. Die martialische Lederkluft spannt, die lange schwarze Perücke sitzt schief, das geschminkte Gesicht ist fratzenhaft verzerrt. Seiner Lebensgefährtin und resoluten Managerin Doro muss er beichten, dass er die letzten Stunden nicht etwa glamourös im Bett eines Groupies verbracht hat, sondern zitternd vor Angst im hoteleigenen Wäschekeller, vergraben unter einem Haufen weicher Handtücher. Die glorreiche Fassade des unbarmherzigen Schock-Rockers offenbart tiefe Risse: Amadeus ist ausgebrannt, leidet unter Hämorrhoiden, Rheuma und einer rebellierenden Prostata. Seine Stimme versagt, und die Angst vor dem kreativen wie körperlichen Verfall frisst ihn von innen auf.

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„Ich bin wie eine Batterie, Doro. Eine leere, ausgelaugte Batterie, die sich einfach nur danach sehnt, endlich fachgerecht entsorgt zu werden.“

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Doro jedoch denkt gar nicht an Entsorgung, sondern an Schadensbegrenzung und Profitmaximierung. Kaltschnäuzig und geschäftstüchtig begreift sie die Morddrohungen als genialen PR-Schachzug, um die schwindenden Plattenverkäufe anzukurbeln. Um die Dramatik für die Presse auf die Spitze zu treiben, hat sie sogar die kostspieligen Bodyguards eigenmächtig abbestellt. Es entbrennt ein psychologischer und physischer Kleinkrieg zwischen den beiden Langzeit-Partnern. Amadeus will ausbrechen. Er will die verhasste Kunstfigur abstreifen und endlich wieder er selbst sein: Wolfgang Amadeus Grunz – ein wehleidiger Mann, dessen gesamte Karriere, wie er in einer bitterbösen Lebensbeichte gesteht, nur ein wütendes Anschreien gegen seinen übermächtigen Vater und die bürgerliche Musikklassik war.

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Die Situation eskaliert im Dunstkreis von Whiskey und Eifersucht, als Amadeus den jungen Tontechniker Alex als potenziellen Nebenbuhler im Visier hat. In einem plötzlichen Anfall rasender Ohnmacht versucht er, Doro zu erwürgen – ein erschreckendes, wiederkehrendes Muster ihrer toxischen Symbiose, das nur durch das banale Klopfen des Zimmermädchens unterbrochen wird. Am Ende zeigt sich die unbarmherzige Realität des Musikbusiness: Die Machtverhältnisse verschieben sich unaufhaltsam.

Doro übernimmt die kreative Kontrolle, degradiert den einstigen Metal-Gott zum bloßen Hintergrund-Statisten seiner eigenen Songs und zwingt ihn zurück ins Rampenlicht. 

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