Wartesaal Endstation
Eine kalte Komödie mit Musik

Das Stück wurde 2005 im Theater Chorzów – Katowice uraufgeführt und blieb dort drei Jahre im Repertoire. Die bekannte polnische Sängerin Renata Przemyk schrieb die Lieder für diese „kalte Komödie mit Musik.“
PERSONEN
ESPERA- EN - DIOS: Juan, Reisender
JANUSZ: Bahnhofsvorsteher, Mitte vierzig
DOROTA: seine Frau, Anfang vierzig
BOBIK: Wojtek, Fabrikbesitzer, Mitte dreißig
GOR: Bart, ein holländischer Geschäftsmann, Mitte vierzig
MARIA: seine schöne, polnische Frau, Ende dreißig.
MARIOLA: eine junge Hure – Anfang zwanzig
SASCHA: ihr „Freund“
WUNDERLICH: Richard, ein deutscher Dichter – Mitte siebzig
PAKULA: Pjotr, Techniker im Ruhestand, Mitte siebzig
HAJDUK: Thomasz, ein erfolgreicher Fußballspieler
KISZ: Danuta, Frisöse - Mitte vierzig.
EDITH: Hobbymalerin - Anfang sechzig
ULRIKE: Hobbymalerin - Anfang sechzig
CHRISTA: Hobbymalerin - Anfang sechzig.
NOWAK: ein Bahninspektor
ADAM: Serafinski, ein junger Schaffner
PSIUK: Orchesterleiter
MUSIKER
HANDLUNG

In dieser Winternacht schafft es der Zug zwischen Stettin und Gdansk nicht. Irgendwo auf der Strecke bleibt er in einer Schneewehe stecken und die Reisenden sind gezwungen die Nacht in einem kleinen, vergessenen Provinzbahnhof zu verbringen.
Auf den harten, knappen Holzbänken nehmen nun Reisende Platz, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Unter anderen sitzt dort der alte deutsche Dichter, der ans Ende seiner Flucht will - die Putzfrau, die monatlich zwischen Berlin und Gdansk pendelt - die verzweifelte Schönheit, die sich mit ihrem holländischen Mann auf einer Geschäftsreise quält - eine junge Hure auf der Flucht in die Liebe - ein heimwehkranker Fußballspieler, der in Deutschland alles gewonnen und alles verloren hat - ein zynischer Elektriker, der unter Kurzschlüssen leidet - ein polnischer Möbelfabrikant auf der Reise ins Paradies - ein Trio begeisterter Hobbymalerinnen, das weiß, wie man das Weiß malt - ein strenger Bahninspektor, der zwischen zwei Brüste gerät – und sogar ein endlos tourendes Kurorchester schleppt sich überarbeitet und schlaftrunken durch den alten Wartesaal. Und ab und zu taucht dann noch ein geheimnisvoller Reisender auf, der nichts fragt, und doch alle zu kennen scheint.
Zwischen den Wartenden entspinnt sich ein Reigen burlesker - tragisch - komischer Begegnungen, durch die ein verzweifelnder Bahnhofsvorsteher von einem Versagen in das nächste taumelt.
KRITIKEN
Dieser Aufenthalt ist keine Rast.
Ohne Fahrplan wird weiter gereist: Träume regen sich, Gespenster gehen um. Die Vergangenheit ist der Schorf auf der Haut der Gegenwart.
Die Zukunft ist ein Bahnhof, an dem man aussteigen wollte, dessen Namen einem aber nicht mehr einfallen will.
Kalt ist es, man zittert, man sehnt sich fort und kann nicht weg – und doch ist man am Ende, gegen Morgen, als der Räumzug kommt, viel weiter gereist, als man wollte.
(Hanna Karolak, „Kulturaonline“)
Apke zwingt uns über Gewalt zu lachen, entlarvt aber gleichzeitig deren Absurdität und Hilflosigkeit, und gestattet am Ende einen Sieg der Liebe, obwohl es im Ganzen dafür wohl zu spät ist. Sein Komödienstil erinnert an J.B. Shaw. Er hat keine Angst vor Worten, welche die Charaktere zugleich maskieren und demaskieren.
(Tomasz Miłkowski, „Trybuna“)
