SOMMERFRISCHE

Das Stück erhielt 2010 beim Komödienautorenwettbewerb in Lodz einen Preis
(trzecim miejscem podczas konkursu "Komediopisanie")
und wurde im Mai 2011 im Teatr Powszechny in Lodz uraufgeführt.
PERSONEN
Tobias Reizschneider –– sehr bekannter Schauspieler. Ende vierzig.
Ingo Wolkowski – sein ewiger Spielpartner. Anfang fünfzig.
Herr Specht – ein Windelfabrikant. Mitte sechzig.
Frau Specht – seine Frau. Mittvierzigerin
Margit – Schwester von Frau Specht. Etwas jünger.
Frau Düsseldorf – Freundin von Frau Specht. Ebenfalls Mitte vierzig.
Rüdiger Boll – ein Publizist. Anfang fünfzig.
Flapke – Dramatiker. Ende zwanzig.
Carmen – Mädchen für alles. Mitte zwanzig.
Ort: Terrasse und Garten einer Villa an der See (Ostsee)
Zeit: Der letzte oder der nächste Sommer.
HANDLUNG
Eine kulturbeflissene Unternehmergattin hat sich an einen berühmten Schauspieler herangemacht und lädt ihn zur Sommerfrische in ihr Haus an der See ein. Dort erscheint Reizschneider mit seinem ewigen Bühnen – und Filmpartner Wolkowski (beide sind als Film - und Bühnenpaar ein Begriff und kennen sich schon seit zwanzig Jahren). Reizschneider ist abgebrannt, versoffen, lebt von der Vergangenheit. Wolkowski (der immer im Schatten seines Freundes litt) ist ständig damit beschäftig seinen Freund bei Wasser - und über Wasser zu halten.
Ebenfalls anwesend sind der egomanisch überspannte Jungdramatiker Flapke und der eitle Publizist Boll, Flapkes Mentor und bestellter „Hauslehrer“ und Exliebhaber Frau Spechts. Dann ist da auch noch Frau Düsseldorf, Witwe eines reichen Fleischfabrikanten. Erotisch ausgehungert, schmarotzt sie zunächst an dem reichen Liebesleben ihrer Freundin, und bereitet sodann einen Eroberungsfeldzug auf den von Frau Specht abgelegten Liebhaber Boll vor.
Ein weiterer Gast im Hause Specht ist Margit - die bärbeißige, intelligente Schwester der Hausherrin. Sie verteilt heftige Stiche nach allen Seiten, und gerade einer wie Reizschneider, der sein künstlerisches Talent verrät, gerät dabei in das Visier dieser unbarmherzigen Beobachterin.
Und da ist natürlich auch Herr Fabrikant Specht: Einsam – antriebslos, an sich selbst leidend - aber mit einem klaren Blick auf die Menschen um ihn herum.
Carmen, das junge, pragmatisch- duldende Mädchen für Alles, umsorgt die Gäste, ist all diesen verbogenen Gestalten ein nüchterner Spiegel. Am Ende avanciert sie unverhofft zur Herrin des Hauses.
Frau Specht will mit Reizschneider und Wolkowski das Stück des jungen „genialen“ Dramatikers Flapke zur Uraufführung bringen. Vorproben sollen hier in der Sommerfrische stattfinden. Reizschneider hat zugesagt, weil er irgendwie an das Geld von Frau Specht herankommen möchte. Wolkowski weiß davon nichts und denkt, es ginge Reizschneider wirklich um das Stück. Als es zur ersten Lesung des „genialen“ neuen Stückes kommt, reagiert Wolkowski mit blankem Entsetzen. Reizschneider muss gestehen, dass er sich verspekuliert hat und total Pleite ist und nur um des Geldes willen angereist ist.
So ziehen sie ihre Kreise dort am Meer auf der Terrasse, tun gebildet und idealistisch, verkaufen ihre Eitelkeiten als Tugenden und versuchen auf dunklen Pfaden ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen – bis – ja bis Herr Specht, der alles durchschaut - aber klug geschwiegen hat – sich mit der mysteriösen Margit zusammen tut. Gemeinsam und mit Unterstützung von Herrn Wolkowskiis schauspielerischem Talent spinnen sie eine Intrige, die diese illustre Gesellschaft gehörig durcheinander wirbelt.
KRITIKEN
Gutes Theatermaterial mit subtilem Humor. Die Dialoge kommen scheinbar einfach daher – dahinter jedoch verbirgt sich komprimiert Zweideutiges – ja, Abgründiges.
Jeder spielt hier seine Rolle, man lebt, um sich zu verstellen. Kultur, Liebe, Ehe, Freundschaft - alles ist mit dem Virus der Lüge infiziert. „Sommerfrische“ ist eine Tragikomödie.
(Catherine Badowska - Gazeta Wyborcza Łódź)


Was mir am besten an „Sommerfrische“ gefällt ist das Wechselspiel zwischen finanzieller Elite und dem tatsächlichen oder eingebildeten Künstlertum. Zwischen diesen beiden Sphären entspinnt sich eine wunderbare Komödie, über Menschen an der Kreuzung, die nicht mehr wissen, welchen Weg sie einschlagen sollen in einer Welt, in der das Geld alles und alle regiert. Insgesamt wird hier ein sehr bitteres Bild präsentiert.
(Janusz Majcherek, "Welt der Bühne“ im polnischen Radio 2.)
Dieses Sich-Fremd Fühlen ist in Apkes Dramen präsent. Es ist ein charakteristisches Merkmal der Figuren in seinen Stücken. Sie sind Fremde aufgrund ihrer Erfahrungen ("Abreise", "Danke, Papa"), des Verlustes von Nähe ("Kalte Duschen"), des Andersseins ("Adonis bekommt Besuch"), der Anhäufung von Lügen ("Letnisko"), der Wünsche ("Wegen Krankheit geschlossenen"), der Lebens- und Denkweise ("Das Huhn auf dem Rücken"), der Herkunft ("Herr Baron kommt barfuß..."). Sie tragen diese Fremdheit in die Welt der anderen hinein... Was daraus resultiert, zeigen die klugen Stücke von Fred Apke.
(Grażyna Korzeniowska AICT Polen (Polnische Sektion des Internationalen Verbands der Theaterkritiker))
