NACHTS IM IGLU

PERSONEN
Kevin Wussow - ein Fabrikant – Anfang dreißig
Jessica Wussow - seine Frau – Ende zwanzig
Gerd Nickel – Einkäufer einer Supermarktkette - fünfundfünfzig
Maria Nickel - seine Frau fünfzig
Ort: Wohnzimmer des Fabrikanten Wussow
HANDLUNG
Im Hause des jungen Fabrikanten Kevin Wussow herrscht emotionale Eiszeit – ein Zustand, der dem Stück seinen metaphernreichen Titel leiht. Kevin steht mit dem Rücken zur Wand: Seine Firma droht pleitezugehen, der geschäftliche Existenzdruck raubt ihm jede Energie und hat seine Ehe in eine sterile, sexfreie Zone verwandelt. Seine Ehefrau Jessica fühlt sich vernachlässigt, einsam und wie ein Tier im Käfig. Aus schierer Verzweiflung flüchtet sie sich in skurrile schamanische Therapien und begeht Akte unbewusster Sabotage, um überhaupt noch eine Reaktion ihres Mannes zu provozieren.
Doch für Ehestreitigkeiten ist heute Abend absolut keine Zeit. Es steht das wichtigste Abendessen ihres Lebens an. Der mächtige, arrogante Supermarkt-Einkäufer Gerd Nickel hat sich angekündigt, in Begleitung seiner chronisch unzufriedenen Frau Maria. Für Kevin ist dieses Treffen die allerletzte Chance: Unterschreibt Nickel den Vertrag, ist die Fabrik gerettet. Unterschreibt er nicht, ist alles vorbei.
Die Wussows sind fest entschlossen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und dem einflussreichen Gast jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Was sie jedoch nicht ahnen: Bei den Absprachen im Vorfeld ist ein kommunikativer Super-GAU passiert.
Während Kevin und Jessica glauben, es gehe bei dem Treffen um eine zukunftsweisende Vereinbarung über biologisch abbaubare Einkaufstüten, reist das Ehepaar Nickel mit einer völlig anderen Vorstellung an. Gerd Nickel ist felsenfest davon überzeugt, eine exklusive Einladung zu einer privaten Partnertausch-Party erhalten zu haben. Er erwartet ein prickelndes Abenteuer abseits der moralischen Konventionen.
Als die Paare aufeinandertreffen, beginnt ein darstellerisches und sprachliches Feuerwerk. Jedes harmlose Wort über „Haltbarkeit“, „Belastbarkeit“ und die „richtige Größe der Tüten“ wird von der Gegenseite als anzügliche Doppeldeutigkeit verstanden. Die Wussows merken bald, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt – doch um den lebenswichtigen Deal nicht zu gefährden, lassen sie sich auf ein riskantes, psychologisches Versteckspiel ein.
Als die Kleidung wechselt, die Masken fallen und die Paare sich in unerwarteten Konstellationen wiederfinden, gerät die Situation vollends außer Kontrolle. Zwischen Slapstick-Einlagen, unterdrückten Neurosen und messerscharfen Wortgefechten bricht die mühsam aufrechterhaltene bürgerliche Moral der vier Beteiligten Stück für Stück in sich zusammen.
„Nachts im Iglu“ ist eine rasante, bitterböse und zugleich tiefgründige Komödie über den moralischen Ausverkauf in Zeiten des Leistungsdrucks. Ein Abend voller peinlicher Situationen, pointierter Dialoge und der existenziellen Frage: Wie viel von uns selbst sind wir bereit zu verkaufen, um den Schein zu wahren?